Corvatsch Geschichte

Wie alles begann...

Es ist 1963. John F. Kennedy beendet mit den Worten „Ich bin ein Berliner“ seine denkwürdige Rede in Berlin. Winnetou und James Bond haben ihren ersten Leinwand-Auftritt. Die Beatles und Rolling Stones beginnen ihre Weltkarriere. Und im Engadin eröffnet der Corvatsch.

Nach nur zwei Jahren Bauzeit wird am 23. März 1963 die erste Sektion und am 8. Dezember des gleichen Jahres die zweite Sektion der Corvatsch-Luftseilbahn eröffnet. Der Sportberg ist nach sechs gescheiterten Versuchen seit 1902 endlich erschlossen und damit der höchste Punkt, den man in den Ostalpen bequem per Bahn erreichen kann.

Langes Warten, toller Ausblick
Am Eröffnungstag wartete man bei schönem Wetter schon mal bis zu drei Stunden, um auf den Gipfel des Corvatschs zu gelangen. Was heute fast unvorstellbar erscheint, machte den Skibegeisterten damals nichts aus. Während Platzkarten verteilt wurden, plauderte man entspannt miteinander in der Warteschlange. Und oben angekommen, freute man sich umso mehr ob des atemberaubenden Panoramas.

50 Jahre Skimode

Erinnern Sie sich noch? Die erste Keilhose von Bogner Ende der fünfziger Jahre? Die engen Skihosen der Siebziger, die wie eine zweite Haut anlagen? Oder der knallig-kultige Ski-Overall? Hoch oben auf den Pisten des Corvatschs hat man fünfzig Jahre Skimode-Geschichte miterlebt. Eine Hommage an Nylon, Lycra und Bogner.

Die Geschichte der Skimode beginnt in den dreissiger Jahren mit einem Anorak von Maria Bogner für die sportliche Frau auf Skiern. Feminin, fröhlich und praktisch ist er das totale Gegenteil der gängigen Skikleidung aus Loden. Bogners legendäre Keilhose aus modernem Material wird Anfang der fünfziger Jahre zum Markenzeichen der Firma und getragen von Weltstars wie Marilyn Monroe und Liz Taylor. In Amerika hält die Bezeichnung „Bogners“ als Synonym für die Keilhosen sogar Einzug ins Wörterbuch. Maria Bogner präsentiert die totschicken Outfits gerne vor der beeindruckenden Kulisse des Corvatschs. Bis heute ist der Corvatsch mit der Firma und Familie Bogner verbunden.

Skikjöring

Der Corvatsch hat’s erfunden

Skikjöring blickt im Engadin auf eine lange Tradition zurück. Doch es waren nicht die Pferde, die den spektakulären Sport begründeten – sondern ein Gamsbock auf dem Corvatsch.

Als Geburtsstunde des Skikjörings wird allgemeinhin ein Rennen von 1906 genannt: 13 Fahrer nahmen nacheinander die Strecke von St. Moritz nach Champfèr und zurück in Angriff. Sieger wurde Philip Mark mit seinem irischen Fuchswallach „Blitz“. Er hatte bereits als erster Mensch im Winter den Corvatsch erklommen. Doch genau genommen fand das erste Skikjöring auf dem Corvatsch statt – nicht mit einem Pferd, sondern mit einem Gamsbock als Zugtier.

Skistock verfängt sich in Hörner
Das ist die Legende: Nach einem durchzechten Abend muss Gion, ein Engadiner Bergführer, Wirt und Jäger, früh am Morgen mit einem Gast zu einer Skitour auf den Piz Corvatsch aufbrechen.

Mit brummendem Schädel kommen ihm der Berg viel höher und der Anstieg viel schwerer als sonst vor. Plötzlich kreuzt ein enormer Gamsbock die Aufstiegsspur, kurz vor Gions Skispitzen. Dieser – ganz erschrocken – will ihn mit seinem Skistock vertreiben. Doch der Stock verfängt sich in den Hörnern des Gamsbocks.

Skikjöring-Tandem mit Gams
Gion wird vom Bock mit nach oben gerissen. Ihm gelingt es gerade noch, seinen zweiten Stock dem Gast zuzuwerfen. Dieser hängt sich auch mit dran - es entsteht ein Skikjöring-Tandem mit Gams als Zugpferd.

Im Eiltempo geht es nach oben. Das Trio Gams, Gast und Gion erreicht den Corvatsch-Gipfel in Rekordzeit. Gion lässt den Skistock los und der Bock flüchtet davon. Gion trauert seinem Skistock nach. Sie sind einzigartig im Engadin, da sie ihm von seinem norwegischer Freund und Skispringer-Kollege Harald Smith aus Oslo geschenkt worden sind. Die Telemark-Schwünge mit einem Stock fallen ihm jetzt sehr schwer.

Filmstar Corvatsch

Über 40 Filme und etliche Mode-Shootings hat der deutsche Sportler, Unternehmer und Filmemacher Willy Bogner im Engadin und auf dem Corvatsch inszeniert. Ob für einen James-Bond-Film oder das kultige Filmspektakel „Feuer und Eis“ – Bogner zeigt seine Naturkulissen voller roher Ursprünglichkeit und zeitloser Schönheit. Der Corvatsch erhält dabei nicht selten die Hauptrolle.

1959 siegt Willy Bogner Jr. überraschend beim Abfahrtslauf um das Weisse Band von St. Moritz – eine Sensation. Ein Jahr später realisiert er seine erste Filmarbeit, als Sportreporter Harry Valerien ihn als Backstage-Kameramann bei den Olympischen Winterspielen in Squaw Valley einsetzt. 1964 dreht Bogner sein erstes Ski-Musical namens „Skifaszination“. Er erhält dafür einen Preis beim Skifilmfestival in Cortina d’Ampezzo und einen interessanten Anruf aus London.

„B“ wie Bond und Bogner
Der Anruf kommt von Albert C. Broccoli, Produzent der James-Bond-Filme. Der Rest ist Geschichte: Bogner dreht die legendäre Verfolgungsjagd mit James Bond in der St. Moritzer Bobbahn bei hundert Kilometern pro Stunde. Er filmt mit einer 16-Kilo-Kamera und auf eigens konstruierten Skiern zum Vorwärts- und Rückwärtsfahren. Seine Actionszenen sind absolut authentisch und ohne Tricks, gefilmt mit den weltbesten Skifahrern. Die britischen Auftraggeber sind „very amused“ und geben dem deutschen Kameramann auf Skiern gleich drei 007-Folgeaufträge.

Die ersten Snowboards

Mit den ersten Snowboards im Pulverschnee bergab

Ski-Akrobatik heisst heute Freestyle. Pistenwedler haben den Carvern Platz gemacht. Man trägt breite Skier und Hosen und fährt mit Helm statt wehenden Haaren. Ansonsten hat sich nicht viel verändert am Corvatsch: Der Skiberg ist sich und seinem Charakter treu geblieben.

War es früher das Skifahren im Sommer, so sind es heute das Nachtskifahren, der grosse Snowpark sowie die renommierten Trendsport-Events, die den Corvatsch zum besonderen Skiberg machen. Der Corvatsch-Fahrer zieht Pulverschnee dem Champagnerklima vor. Er spürt die Gletscherwelt und geniesst die Freiheit.

Die ersten Snowboards
Es war so etwas wie eine kleine Sensation als Anfang der achtziger Jahre einige der ersten Snowboards am Corvatsch gesichtet wurden. Sportbegeisterte glitten auf einem Brett mit Lenkschnur über die Schneehänge. Obwohl von vielen Zuschauern belächelt, merkte man am Corvatsch schnell: Ein neuer Trendsport ist geboren. Heute finden hier regelmässig die Snowboard-Schweizermeisterschaften Alpin sowie die Freestyle-Schweizermeisterschaften für Snowboarder und Freeskier statt.

No friends on powder days!
In einem sind sich alle Freerider einig: Es gibt nichts Befriedigenderes als einen noch jungfräulichen Tiefschnee-Hang hinunter zu fahren. Freerider am Corvatsch setzen dem noch eins drauf: Seit 2002 treffen sich hier jährlich die Weltbesten ihrer Zunft, um am Engadinsnow die bis zu 55 Grad steile "Northface" zu bezwingen.

Man kann die tollkühnen Freerider hautnah verfolgen, wenn sie waghalsige Sprünge im felsdurchsetzten Gelände wagen. Eine internationale Jury bewertet unter anderem Sicherheit, Linienwahl und Schwierigkeit. Einzigartig beim Event ist der Parallel Freeride Contest.

Skifahren im Sommer

Das waren noch Zeiten!

Im T-Shirt bekleidet bei herrlichem Sonnenschein traumhafte Pisten hinuntersausen: Bis in die achtziger Jahre herrschte am Corvatsch-Gletscher auch im Sommer skisportlicher Hochbetrieb. Sommerskifahren war Teil eines Lebensgefühls. Es gehörte ins sommerliche Engadin genauso wie Wandern, Segeln und Golf.

Neunundzwanzig Jahre lang konnte man am Corvatsch im Sommer Skifahren. Zu den besten Zeiten transportierten drei Gletscherlifte pro Sommer bis zu 340‘000 Skigäste. Ab 1988 zog sich der Gletscher immer mehr zurück, bis im Sommer 1992 der Skibetrieb ganz eingestellt werden musste. Seither gehört der Berg in den warmen Monaten den Wanderern.

Erste Sommer Skirennen 1908                                                                   
Bereits seit 1908 - also lange bevor Sommerskifahren zum Modewort wurde und mechanische Aufstiegshilfen auch nur im Gespräch waren - wurden am Corvatsch-Gletscher Sommerskirennen durchgeführt. Sie erlebten ihre Blütezeit gleich nach dem Ersten Weltkrieg und während der zwanziger Jahre. Der Grossteil der Teilnehmer trug die Skier selbst hinauf bis zum Start auf zirka 3000 m ü. M. Wer es sich leisten konnte, fuhr mit dem Leiterwagen von Pontresina bis zum Restaurant Roseg und liess seine „Bretter“ von dort per Maultier bis zur Fuorcla hinauf transportieren.

Interview mit W.Bogner

„Der Corvatsch ist für mich Heimat“

Willy Bogner ist  Kommunikationsprofi, Skirennfahrer, Fotograf, Filmemacher, Technik-Aficionado, Familienmensch, Weltreisender und Unternehmer. Kurz: eine Kultfigur. Sein Leben, privat und beruflich, ist eng mit dem Corvatsch verbunden. Zehn Fragen an einen der prominentesten Corvatsch-Fans.

Herr Bogner, wie lange sind Sie schon mit dem Corvatsch verbunden? Und wie kam es dazu?
Unser Haus befindet sich direkt gegenüber vom Corvatsch. Wenn ich aus dem Fenster schaue, blicke ich direkt auf ihn und weiss gleich, was heute los ist. Ich hänge sehr an diesem Heim und allem, was damit verbunden ist – immerhin haben es meine Eltern erbaut. Das war 1962! Es war in all den Jahren Familientreffpunkt, Rückzugsort, Inspirationsquelle, aber auch Basiscamp für meine Film- und Fotoproduktionen im Engadin, die sich hauptsächlich auf dem Corvatsch abspielen.

Dorigo Riz à Porta

Das „Sahnehäubchen“ vom Corvatsch

Er gehört zum Corvatsch wie die Sahne auf den Kuchen. Dorigo Riz à Porta ist ein Oberengadiner Original und Allrounder. Wirt, Imker, Jäger und Lawinensprenger. Er arbeitet als SOS-Mann bis er 1989 das Restorant Alpetta mitten auf der Piste Chastelets eröffnet. Die gemütliche Hütte ist heute legendärer Treffpunkt für Einheimische, Schneebegeisterte und Prominente.

Die rustikale Alpetta-Hütte ist eines von zehn Bergrestaurants auf dem Corvatsch. Hier servieren Dorigo und seine Frau Silvia seit 1989 Grillspezialitäten, Fleischgerichte aus der eigenen Jagd, Polenta aus dem grossen Topf und erlesene Weine. Hütte wie Gastgeber sind längst Kult. Doch wer steckt hinter dem berühmten Wirt?

Allrounder aus Silvaplana
Er wird bereits am Fusse des Corvatsch geboren – in Silvaplana. Und möchte auch nirgendwo anders sein. Von November bis April steht Dorigo als Gastgeber in der Alpetta-Hütte, seine Frau stets an seiner Seite. In der Freizeit frönt er seinen vielen Hobbys - der Jagd, der Imkerei, seiner kleinen Landwirtschaft, der Malerei und dem Bauen. Am besten alles in freier Natur.

Corvatsch 3303
Corvatsch Park